{"id":365,"date":"2013-05-24T10:09:25","date_gmt":"2013-05-24T10:09:25","guid":{"rendered":"http:\/\/ungeraecht.de\/?p=365"},"modified":"2013-05-26T08:09:50","modified_gmt":"2013-05-26T08:09:50","slug":"glaube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ungeraecht.de\/?p=365","title":{"rendered":"Glaube"},"content":{"rendered":"<p>Die Angst, dass es doch alles falsch sein k\u00f6nnte. Dass es eben doch nicht richtig ist, an das Herz zu glauben, das so einsam in mir schl\u00e4gt, trotz der ganzen Traurigkeit und des ganzen Ungl\u00fccks. Das einfach nicht aufh\u00f6rt weiter zu schlagen. Sogar wenn ich mit allem, was ich sonst von mir kenne, l\u00e4ngst aufgegeben habe und nur noch will, dass alles endlich aufh\u00f6rt. Sogar dann schl\u00e4gt das Herz ruhig und beharrllich weiter und gibt mir den Takt zu einer ruhigeren, einfacheren iund unaufgeregteren Melodie.<\/p>\n<p>Aber wie kann das sein, dass es richtig ist, am Leben teilnehmen zu wollen, wenn doch alle immer nur vor mir weglaufen? Wenn ich doch alle immer nur st\u00f6re, kann es dann immer noch richtig sein, weiterleben zu wollen? Ich habe das als Kind nur schwer entscheiden k\u00f6nnen und f\u00fchle mich noch heute unsicher dabei. Am Ende kam ich zu dem Schlu\u00df, dasss ich es erst noch einmal versuchen mu\u00df, und dass ich sp\u00e4ter, wenn ich gro\u00df bin, daf\u00fcr sorgen mu\u00df, diese Entscheidung, die f\u00fcr andere ja eine Zumutung war, nachtr\u00e4glich zu rechtfertigen. Ich wollte ja niemandem zur Last fallen und habe mein Ungl\u00fcck, wo ich konnte, verborgen. Aber ich h\u00e4tte mir so sehr gew\u00fcnscht, dass auch nur einer der wenigen, die mitbekommen haben, wie gemein und herablassend mich meine Eltern behandelten, sich nicht abgewandt h\u00e4tte. Aber irgendwie ist das fast nie passiert und wenn dann immer nur heimlich. War dieser Wunsch wirklich so abwegig? War das alles wirklich nur deswegen, weil ich eine Schande war f\u00fcr alle, die mit mir zu tun hatten? Kann das Leben so jemanden hervor bringen, der so wenig in die ganze Welt hinein passt? Wenn ja: Warum bin gerade ich das geworden? Und wenn nicht: Wann habe ich den gro\u00dfen Fehler begangen, der das alles in Gang gebracht hat? Was h\u00e4tte ich anders machen m\u00fcssen? Und wenn das egal ist: Gibt es etwas, das ich jetzt anders machen kann, damit das endlich aufh\u00f6rt? Damit wenigstens einer bei mir ist und auf meiner Seite? Nicht nur mal schnell eben, wenn es keiner merkt sondern auf den ich mich &#8211; wenigstens manchmal, wenn es wieder so schlimm \u00fcber mich hereinbricht &#8211; verlassen kann? Damit ich eine Erinnerung habe daran, wenn ich es wieder alleine aushalten mu\u00df? Wie kann ich irgendjemanden dazu bringen, das zu tun?<\/p>\n<p>Das ist der Punkt an dem mir nur der Glaube weiter hilft: Der Glaube an das Gute, das ich dann nur noch an einer einzigen Stelle in meinem ganzen Universum finde und zwar in meinem Herzen. Dieser Glaube ist oft nicht viel &#8211; aber es ist das einzige was geht und also versuche ich es. Bislang konnte es immer wieder irgendwie weiter gehen: Nicht weil ich stark war, ganz und gar nicht, sondern mit viel Improvisation und verzweifeltem Strampeln. Aber irgendwie habe ich immer \u00fcberlebt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Aber wenn ich mich auf meinen Glauben an dieses Gute in meinem Herzen verlasse und mich von nichts\u00a0anderem\u00a0und auch nicht vor der riesengro\u00dfen Angst in meinem ganzen K\u00f6rper irre machen lasse, kann ich manchmal ein kleines St\u00fcck von dem ganzen Schlamassel hinter mir lassen. Meine Hoffnung ist, dass ich dann hindurchschreite und dann sehe ich ja irgendwann auch wieder Gutes an anderen Stellen meines Universums. Das ist der Ausweg, den ich irgendwann gefunden habe, als die gro\u00dfe Angst vor einigen Monaten zur\u00fcck zu mir kam.\u00a0Ich wei\u00df nicht, ob es vielleicht andere Wege gibt, aber ich habe nur diesen gefunden. F\u00fcr jemanden wie mich ist es wichtig, dass es diesen Weg <em>in mir<\/em> gibt und dass er mir offen steht, auch wenn niemand anders f\u00fcr mich da ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Angst, dass es doch alles falsch sein k\u00f6nnte. 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