{"id":145,"date":"2013-05-02T18:10:00","date_gmt":"2013-05-02T18:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=145"},"modified":"2013-05-02T18:10:00","modified_gmt":"2013-05-02T18:10:00","slug":"das-gibt-es-also-immer-noch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ungeraecht.de\/?p=145","title":{"rendered":"Das gibt es also immer noch"},"content":{"rendered":"<p>Als ich den Mi\u00dfbrauch mit Gro\u00dfvater \u00fcberstanden hatte, gab es viele Jahre lang Ruhe. Ich kam in die Schule und wir zogen um in eine andere Stadt. Au\u00dfer dass ich merkte, dass ich irgendwie ganz anders war als die anderen und viel, viel ernster, trauriger und \u00e4ngstlicher und dass es dadurch oft schwierig war, mit den anderen klar zu kommen, geschah nicht viel. Sogar mein Vater war manchmal f\u00fcr mich da und das war eigentlich das Sch\u00f6nste &#8211; auch wenn ich wu\u00dfte, dass meine Mutter ihn dazu aufgefordert hatte. Meine Mutter mochte ich tief in mir drinnen nicht, aber ich sch\u00e4mte mich daf\u00fcr und meine Mutter versuchte jetzt wirklich ganz besonders f\u00fcr mich zu sorgen.<\/p>\n<p>Dann sollte ich einmal auf den Bauernhof fahren und dort einige N\u00e4chte bleiben, auf dem mein Vater gro\u00df geworden war. Er meinte noch zu mir, dass es sein k\u00f6nne, dass mein Opa etwas von mir wolle und dann solle ich ihm helfen. Mein Opa wollte dann tats\u00e4chlich etwas von mir, sagte dann zu mir ich solle mitkommen, t\u00f6tte vor meinen Augen ein Huhn und lie\u00df mich dann in seinem &#8220;Vorzimmer&#8221; warten. Die anderen Gro\u00dfen waren an dem Tag nicht zu hause. Dann rief er mich rein. Er sagte, dass mein Vater ja wohl bauen wolle und daf\u00fcr ein Grundst\u00fcck von ihm br\u00e4uchte und das w\u00fcrde er ihm wohl auch geben wollen, wenn ich ihm auch helfen w\u00fcrde. Dann zog er mir irgendein Kleidungsst\u00fcck \u00fcber, das er wohl toll fand und sagte ich wolle doch bestimmt Pilot werden und ich \u00a0sollte mir jetzt vorstellen, wie ich vorne im Flugzeug w\u00e4re. Dann steckte er mir &#8220;etwas&#8221; von hinten in den Popo, es tat weh und irgendwie war es eklig und unangenehm. Das Gef\u00fchl, etwas gutes zu tun, wollte sich einfach nicht einstellen. Dann schickte er mich ziehmlich herablassend und geringsch\u00e4tzend weg.<\/p>\n<p>Ich lief in den Wald, wollte einsam sein und alleine und hatte das Gef\u00fchl, dass ich einfach nicht f\u00fcr diese Welt geschaffen w\u00e4re. Es war nur ein dunkles Gef\u00fchl da, dass ich das alles schon einmal erlebt hatte und eine schreckliche Angst, dass irgendetwas heraus kommen k\u00f6nnte, irgendeine Schuld, die schwer auf mir lastete. Es war ein ganz und gar ungl\u00fcckliches und sehr dumpfes Gef\u00fchl und der Wunsch nie wieder irgendjemanden sehen zu wollen. Aber irgendwann ging ich dann doch zur\u00fcck und wartete, was passieren w\u00fcrde und ob ich wieder etwas falsch gemacht h\u00e4tte. Ich nahm mir vor, auf keinen Fall zu weinen oder Schw\u00e4che zu zeigen, weil ich das Gef\u00fchl hatte, dass sie das dann sofort ausnutzen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Am Abend sagte mein Onkel zu mir, dass ich ja wohl bei Opa gewesen w\u00e4re und fragte, ob mein Vater mir nichts gesagt h\u00e4tte. Ich sagte, dass mein Vater gesagt h\u00e4tte, dass ich meinem Opa helfen solle und mein Onkel sagte, dass ich mich da verh\u00f6rt haben m\u00fcsse. Ich sagte nur &#8220;Nein&#8221; und versuchte nicht zu weinen und war froh als mein Onkel nichts mehr dazu sagte.<\/p>\n<p>Als meine Eltern mich abholten, sagte ich, dass ich bei Opa gewesen w\u00e4re und meine Mutter sah mich entsetzt an. Sie sagte zu meinem Vater, dass sie gedacht h\u00e4tte, dass mein Opa zu alt w\u00e4re daf\u00fcr und mein Vater sagte: &#8220;Der h\u00f6rt nie auf damit&#8221;. Da sagte sie zu ihm: &#8220;Hast Du das etwa gewu\u00dft? Ich habe Dir doch erz\u00e4hlt was ich mit dem Jungen gemacht habe.&#8221; Mein Vater: &#8220;Soll denn immer der Sohn meines Bruders alles abkriegen?&#8221; Meine Mutter stieg dann mit mir aus dem Auto aus und sagte zu mir, dass ich nicht wieder einsteigen m\u00fcsse und sie w\u00fcrde bei mir bleiben. Wir gingen zu Fu\u00df weiter und mein Vater fuhr mit dem Auto neben uns her. Ich bin dann wieder eingestiegen. War ja sowieso alles Quatsch, was meine Mutter da sagte.<\/p>\n<p>Mein Vater wollte es dann sp\u00e4ter zu hause noch etwas ausf\u00fchrlicher h\u00f6ren und als ich ihm von dem Kleidungsst\u00fcck erz\u00e4hlte, sah er in sich hinein und sagte: &#8220;Das gibt es also immer noch.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich den Mi\u00dfbrauch mit Gro\u00dfvater \u00fcberstanden hatte, gab es viele Jahre lang Ruhe. Ich kam in die Schule und wir zogen um in eine andere Stadt. 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