{"id":102,"date":"2013-05-11T14:06:24","date_gmt":"2013-05-11T14:06:24","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/wordpress\/?p=102"},"modified":"2013-05-26T07:41:53","modified_gmt":"2013-05-26T07:41:53","slug":"die-dressur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ungeraecht.de\/?p=102","title":{"rendered":"Dressur"},"content":{"rendered":"<p>Als ich von Gro\u00dfpapa dressiert wurde, war er erst ausgesprochen freundlich und f\u00fcr einen Erwachsenen, sehr &#8220;auf meiner kindlichen Seite&#8221; und hatte Verst\u00e4ndnis f\u00fcr alles. Er fragte mich, ob \u00a0meine Mutter denn immer freundlich zu uns w\u00e4re und wollte h\u00f6ren, dass sie das nicht war. Er meinte, ich k\u00f6nnte ihm das ruhig sagen und er war sehr verst\u00e4ndnisvoll als ich ein bischen was erz\u00e4hte. Aber ich erz\u00e4hlte nicht alles, ich wollte erst einmal abwarten, was er damit machen w\u00fcrde. Ich war mi\u00dftrauisch, weil ich wu\u00dfte, wie sehr Mama ihn verehrte und mir das Ganze komisch vorkam. Es war aber trotzdem sch\u00f6n, jemanden zu haben, der einem glaubt und der auf meiner Seite war.<\/p>\n<p>Dann wurde mir das Geschirr umgelegt und die Augen verbunden. Dann wurde ich angeschrieen und hin- und hergeschleudert. Die Angst schlug bald in Wut um und dann in Resignation. Ich machte, was er wollte aber innerlich abwesend und ohne M\u00fche. Ich dachte, der ist sowieso st\u00e4rker und wenn es im Spa\u00df macht, mache ich halt mit.\u00a0Dann wurde es noch schlimmer und noch brutaler und aus der Angst wurde Todesangst und ich strengte mich doch an, dass er meine Unlust nicht merkt. Aber innerlich blieb die Wut und der Hass, nur gut versteckt und ich schwor mir, dass ich nie wieder zu ihm gehen w\u00fcrde. Schlie\u00dflich mu\u00dfte ich ihn noch in den Mund nehmen, es blieb die Angst vor ihm und ihm weh zu tun und seinen Zorn auf mich zu ziehen. Aber es blieb auch die Entt\u00e4uschung und die Wut und der Gedanke, dass es trotz allem bei Mama besser w\u00e4re als bei ihm.<\/p>\n<p>Schrecklich war, dass meine Mutter mich dann zwang doch wieder zu ihm zu gehen und dann &#8211; wirklich unverst\u00e4ndlicherweise &#8211; mein Vater auch daf\u00fcr war. Dabei weigerten sich beide immer, mir zuzuh\u00f6ren, wenn ich erz\u00e4hlen wollte, was dort passiert war. Mein Vater<span style=\"line-height: 1.714285714; font-size: 1rem;\">\u00a0meinte, er w\u00fcrde ja noch nachgeben, wenn ich mich nicht so bockig anstellen w\u00fcrde und dann versuchte ich es wieder mit ein wenig nachgeben aber das half auch nicht. Meine Mutter wollte, dass mein Gro\u00dfpapa einen starken Mann aus mir macht, aber darin lag soviel Verachtung f\u00fcr meinen Vater und ich konnte nicht verstehen, dass der da dennoch mit machte.<\/span><\/p>\n<p>Dann hatte ich keine, auch keine innerliche Barriere mehr. Ich mu\u00dfte alles machen, was er wollte und konnte mir nicht mehr sagen, dass er ja sowieso st\u00e4rker w\u00e4re. Ich mu\u00dfte dagegen halten, obwohl ich genau wu\u00dfte, dass es genau das war, was er wollte, damit er mir zeigen k\u00f6nnte, dass er st\u00e4rker w\u00e4re und damit ich mich dann wieder und wieder unterwerfen mu\u00df. Ich mu\u00dfte mich ihm immer wieder unterwerfen, obwohl ich das Gef\u00fchl hatte, dass er es war, der mich aus meiner eigenen Familie heraus gedr\u00e4ngt hatte und mir meine Mutter und meinen Vater genommen hatte.<\/p>\n<p>Das Schlimme ist, dass man sich aufgeben mu\u00df und sich verraten mu\u00df. Und es ist bis heute schrecklich, das einzusehen. Dass es bis heute immer wieder notwendig ist, das bischen Selbstbewu\u00dftsein was er einem gelassen hat auch noch aufzugeben und auch noch den eigenen Anteil an der ganzen Sache einzusehen, damit man die Panik und die Angst vielleicht irgendwann nicht mehr haben mu\u00df.<\/p>\n<p>Warum kann das sein: Das alle gegen ein kleines Kind sind: Die Eltern, der Gro\u00dfvater und dann am Schlu\u00df sogar noch die Geschwister. Dass alle meinen es w\u00e4re die Schuld des kleinen Kindes, weil es zu schwach geboren wurde oder weil es irgendetwas gemacht hatte, von dem ihm keiner sagen konnte, was das w\u00e4re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich von Gro\u00dfpapa dressiert wurde, war er erst ausgesprochen freundlich und f\u00fcr einen Erwachsenen, sehr &#8220;auf meiner kindlichen Seite&#8221; und hatte Verst\u00e4ndnis f\u00fcr alles. Er fragte mich, ob \u00a0meine Mutter denn immer freundlich zu uns w\u00e4re und wollte h\u00f6ren, dass sie das nicht war. 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